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Einstieg in die Keramik

Was ist Keramik? Der große Überblick 2027

Was ist Keramik? Der große Überblick 2027

Eine Schale, ein Dachziegel, eine Badezimmerfliese, ein Waschbecken: Das alles ist Keramik. Was diese Dinge verbindet, ist weder eine Form noch ein Zweck, sondern eine Verwandlung. Ton wird in Form gebracht, getrocknet und dann so stark erhitzt, dass er seine Natur ändert.

Was ist Keramik?

Als Keramik bezeichnet man Gegenstände aus Ton, die geformt und anschließend gebrannt wurden. Das Wort stammt vom altgriechischen keramos: So hießen der Ton und die daraus durch Brennen hergestellten Erzeugnisse. In der Fachsprache bezeichnet es eine ganze Klasse von anorganischen, nichtmetallischen Werkstoffen.

Dazu zählen Geschirr, Fliesen, Ziegel und Sanitärkeramik, aber auch die technische Keramik, die in Technik und Medizin beispielsweise für Isolatoren, Schneidwerkzeuge, Zahnkronen oder Implantate zum Einsatz kommt. Solche technischen Keramiken werden oft aus synthetisch hergestellten Rohstoffen gefertigt, etwa aus Aluminiumoxid, und bekommen genau eingestellte Eigenschaften. Mit dem Töpferton haben sie kaum noch etwas gemeinsam.

Wie viel Handarbeit dagegen in einem gewöhnlichen Kaffeeservice steckt, zeigt diese Folge von SWR Handwerkskunst: Die Keramikerin Susanne Altzweig fertigt es Stück für Stück in ihrer Werkstatt in Höhr-Grenzhausen, mitten im Westerwälder Kannenbäckerland.

Video — Wie man ein Kaffeeservice töpfert | SWR Handwerkskunst · SWR Handwerkskunst Beim Abspielen wird YouTube (Google) geladen, das Cookies setzen kann. Auf YouTube ansehen

Die Töpferei, also die Herstellung von Gefäßen, ist nur ein Teil der Keramik.

Ton und Feuer: Warum der Brand das Material verändert

Nass behält Ton jede Form, die man ihm gibt. Getrocknet wird er hart, doch ein trockenes Stück, das man in einen Eimer Wasser legt, zerfällt wieder zu Schlamm. Der Brennprozess treibt das in den Tonmineralen chemisch gebundene Wasser aus, und diese Veränderung lässt sich nicht rückgängig machen: Aus Ton ist ein künstlicher Stein geworden. Bei hohen Temperaturen schmilzt außerdem ein Teil der Masse und schließt die Poren. Fachleute nennen das Sintern.

Jede keramische Ware verdankt dieser Herstellung ihre Eigenschaften: hohe Härte und Festigkeit, Beständigkeit gegenüber Hitze, Abrieb und chemischen Stoffen, dazu eine gute elektrische Isolation. Die Kehrseite kennt jeder, dem schon einmal eine Tasse heruntergefallen ist: Keramik biegt sich nicht, sie bricht, und schroffe Temperaturwechsel verträgt sie schlecht. Die Rohstoffe dagegen sind alltäglich, im Kern eine Mischung aus Ton, Quarz und Feldspat.

Die drei großen Tonarten

Alle keramischen Materialien entstehen aus Ton, aber nicht aus demselben. Die Terrakotta von Dachziegeln und Blumentöpfen, die älteste Form, bleibt meist unglasiert und saugfähig. In der Werkstatt decken drei Familien fast alles ab, und sie unterscheiden sich vor allem durch ihre Brenntemperatur und die Eigenschaften, die daraus folgen.

  • Steingut und die verwandte Irdenware brennen in der Werkstatt üblicherweise zwischen 980 und 1050 °C; manche Steingutmassen vertragen laut Hersteller bis etwa 1150 °C. Sie bleiben porös: Unglasiert oder angeschlagen saugen sie Flüssigkeit auf. Dafür vertragen sie leuchtende Farben, die bei hohen Temperaturen ausbrennen würden.
  • Steinzeug brennt zwischen 1240 und 1280 °C und verdichtet sich: Das Stück kommt wasserdicht aus dem Brand, auch unglasiert. Es ist der Ton für Geschirr im täglichen Gebrauch und für die meisten Werkstätten.
  • Porzellan brennt je nach Masse zwischen 1200 und 1400 °C. Seine Zusammensetzung aus viel Kaolin, dazu Feldspat und Quarz, macht es in dünner Wand durchscheinend. Es schwindet aber um 12 bis 15 % und verzieht sich bei der kleinsten Abweichung: Keine Masse ist schwerer zu verarbeiten.
Ein Krug aus Steingut, eine Schale aus Steinzeug und eine Tasse aus Porzellan stehen nebeneinander

Die Grenze zählt mehr als die Zahlen: poröse Massen auf der einen Seite, gesinterte auf der anderen. Sie entscheidet über die Verwendung, über den nötigen Brennofen und über den ersten Sack Ton, den man kauft. Welche Masse zu welchem Projekt passt, zeigt das folgende Werkzeug.

Ton & Formgebung

Den richtigen Ton wählen

Welche Tonfamilie sollten Sie für Ihr Projekt und Ihren Brand prüfen?
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Orientieren Sie Ihre Wahl an der verfügbaren Brennmöglichkeit, der Technik und dem Verwendungszweck des Stücks.

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Geben Sie Ihre Parameter ein, um das Ergebnis vorzubereiten.

Die Berechnung verstehen

Das Werkzeug berücksichtigt zuerst die Bedingungen von Brand und Verwendung und schlägt dann eine zu prüfende Tonfamilie vor. Es vergibt keine künstliche Punktzahl, die eine ungeeignete Brenntemperatur ausgleichen könnte.

Dies ist eine redaktionelle Orientierung: Das Datenblatt der genauen Masse, Versuche und Werkstattbedingungen entscheiden über die endgültige Wahl. Weder eine durchschnittliche Schwindung noch eine Lebensmitteleignung werden automatisch aus einer Tonfamilie abgeleitet.

Quellen

Die Techniken der Formgebung

Vier Techniken decken fast alles ab. Bei der Daumentechnik höhlt man eine Tonkugel zwischen Daumen und Fingern zu einer Schale aus. In der Wulsttechnik baut man eine Wand aus übereinandergelegten Tonwülsten auf, die mit dem Finger verstrichen werden. In der Plattentechnik wird der Ton ausgerollt, zugeschnitten und wie ein Schnittmuster zusammengesetzt. Beim Drehen entsteht das Stück auf dem rotierenden Scheibenkopf, sobald man gelernt hat, den Ton zu zentrieren, und dafür braucht es mehrere Kursabende.

Die drei Handaufbautechniken bringen schon in der ersten Stunde ein Ergebnis. Die Industrie und viele Werkstätten arbeiten außerdem mit Gießschlicker, also verflüssigtem Ton, den sie in Gipsformen gießen. Die Töpferscheibe lernt man kennen, bevor man eine kauft; wenn es so weit ist, erklärt der Ratgeber zur Töpferscheibe für Anfänger, worauf es ankommt.

Trocknen und Brennen: erst Schrühbrand, dann Glasurbrand

Ein frisch geformtes Stück muss langsam und gleichmäßig trocknen. Trocknet der Rand schneller als der Boden, reißt es, weil beide unterschiedlich stark schwinden. Außerdem muss es durch und durch trocken sein, sonst sprengt der Wasserdampf es im Ofen.

Der erste Brand, der Schrühbrand (auch Rohbrand genannt), liegt bei 900 bis 1000 °C, für Steingut oft etwas höher, bei 1000 bis 1050 °C. Danach ist der Scherben fest, saugt aber noch Wasser auf und ist bereit zum Glasieren. Dann kommt das Stück ein zweites Mal in den Ofen, zum Glasurbrand bei der Temperatur, die Ton und Glasurrezept verlangen. Erst dieser zweite Brand macht Steinzeug und Porzellan wasserdicht.

Die sieben Stationen einer Schale, vom vorbereiteten Ton bis zum fertigen Glasurbrand

Ein Brennofen, der Steinzeugtemperatur erreicht, kostet mehrere tausend Euro. Er braucht einen eigenen, passend abgesicherten Stromkreis, den ein Elektrofachbetrieb installiert, und einen belüfteten Raum, weil Glasuren beim Brennen Dämpfe abgeben, und er gehört nie in einen Wohnraum. Den Kauf bereitet der Ratgeber zum Brennofen für zu Hause vor; bis dahin kann man seine Stücke in einem Werkstattofen brennen lassen, der Hobbytöpfern offensteht.

Glasur und Dekoration

Eine Glasur ist eine dünne Glasschicht, die auf der Oberfläche des Stücks aufschmilzt. Ihre Basis sind gemahlene Mineralien, ihre Farbe kommt von Metalloxiden: Kobalt ergibt Blau, Kupfer Grün oder Rot, Eisen Bernstein, Braun und Schwarz oder im Reduktionsbrand das blasse Grün der Seladone. Man trägt sie durch Tauchen oder mit dem Pinsel auf den geschrühten Scherben auf, und ihre Farben zeigt sie erst nach dem Brand.

Verziert wird auch mit Engobe, einem gefärbten, flüssigen Ton, der auf das ungebrannte Stück kommt, oder mit Ritzungen. Eine Regel gilt immer: Lebensmittelecht wird ein Stück nur mit einer geeigneten Keramikglasur, die bei ihrer Brenntemperatur gebrannt wurde, denn manche Glasuren enthalten Blei, Barium oder Kobalt.

Für Geschirr, das verkauft wird, legt eine EU-Richtlinie von 1984 Höchstwerte für die Abgabe von Blei und Cadmium fest. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält sie für zu hoch und rät, Lebensmittel nicht lange in glasierter Keramik aufzubewahren. Die „Keramikfarben“ aus dem Bastelladen sind keine Glasuren: Was sie können und was nicht, steht im Beitrag Keramik bemalen.

Ein wenig Geschichte

Keramik ist die älteste der Feuerkünste: Ton brannte man, lange bevor man Glas oder Metall schmolz. Erfunden wurde das Töpfern wahrscheinlich mehrfach, unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen der Welt. Zu den ältesten bekannten Gegenständen aus gebranntem Ton gehören Figuren, keine Gefäße, etwa die Venus von Dolní Věstonice aus Mähren im heutigen Tschechien. Sie stammt aus dem Gravettien und ist rund 25.000 bis 29.000 Jahre alt.

Zwei Besucherinnen betrachten und fotografieren antike Keramikgefäße in einer Museumsvitrine

Die ältesten bekannten Töpferwaren stammen aus der Höhle Xianrendong in China: Eine 2012 in Science erschienene Studie datiert sie auf rund 20.000 Jahre vor heute. Nach Mitteleuropa kommt die Keramik mit den ersten Bauern, im 6. Jahrtausend v. Chr. Die Archäologie nennt diese Kultur nach ihrem Dekor Linearbandkeramik, denn ihre Töpfe tragen Bänder aus eckigen, spiral- oder wellenförmigen Linien.

Die Fayence, eine Irdenware mit deckend weißer Zinnglasur, wird im islamischen Orient im 9. Jahrhundert für Geschirr verwendet und verdankt ihren Namen der italienischen Stadt Faenza. Porzellan ist eine chinesische Erfindung, doch wann es entsteht, hängt von der Definition ab: Die Angaben reichen von einem Proto-Porzellan mit Kaolin in der Han-Zeit, in den ersten Jahrhunderten n. Chr., bis zur Tang-Zeit (7. bis frühes 10. Jahrhundert), in der hart gebrannte, durchscheinende Stücke gelingen.

Europa lüftet das Geheimnis des Hartporzellans im 18. Jahrhundert, und zwar in Sachsen. Ein Laborprotokoll vom 15. Januar 1708 belegt den Erfolg von Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus; 1710 gründet August der Starke in Meißen die erste Porzellanmanufaktur Europas, zunächst auf der Albrechtsburg. Ein zweites deutsches Kapitel schreibt der Westerwald. Im Kannenbäckerland um Höhr-Grenzhausen wird seit dem 15. Jahrhundert salzglasiertes Steinzeug hergestellt, ab etwa 1590 grau mit kobaltblauer Bemalung, und das bis heute.

Berufe rund um die Keramik

„Keramiker“ ist der Oberbegriff: Er passt auf die Töpferin, die Schalen dreht, ebenso wie auf den Porzellanmaler oder auf jemanden, der Ofenkacheln und Fliesen fertigt. Manufakturen beschäftigen Dreher, Former und Maler, die Industrie der technischen Keramik Ingenieure. Der klassische Weg ist die dreijährige duale Ausbildung zum Keramiker oder zur Keramikerin mit Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Andere kommen über ein Studium, etwa Freie Kunst Keramik/Glas an der Hochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen, oder über lange Jahre in einer Werkstatt zum Beruf.

Einen Meisterbrief braucht man für die eigene Werkstatt nicht, denn Keramiker gehört zu den zulassungsfreien Handwerken. Viele selbstständige Keramikerinnen und Keramiker verkaufen ihre Stücke direkt, auf Töpfermärkten oder im Laden und ergänzen das mit Kursen, die regelmäßiger Geld bringen. Wer verkauft, muss das anmelden: Gebrauchsgeschirr spricht in der Regel für Handwerk und damit für ein Gewerbe, freie Kunst ohne Gebrauchszweck kann freiberuflich sein, und im Zweifel klärt das Finanzamt den Einzelfall. Wer schon unterrichtet, kann seine Werkstatt auf Ceramispot eintragen.

Wo man anfängt

Mit einem Termin in einer Werkstatt, vor jedem Kauf: Schon ein einziger Schnupperkurs zeigt, ob einem die Scheibe oder der Handaufbau mehr liegt. Fangen Sie mit Steinzeug an, das kleine Ungeschicklichkeiten verzeiht. Danach sortiert der Ratgeber zum Töpferkurs für Anfänger, ob ein wöchentlicher Kurs, ein Wochenend-Workshop oder eine offene Werkstatt besser passt.

Zu Hause kann man auch ohne Brennofen formen, aber ungebrannter Ton ist keine Keramik. Lufttrocknender Ton härtet beim Trocknen nur aus, wird nie wasserdicht und eignet sich deshalb nie für Tassen, Teller oder Schalen, aus denen gegessen oder getrunken wird. Trockener Tonstaub enthält kristallines Siliziumdioxid (Quarzfeinstaub), das die Lunge schädigt: Wischen Sie feucht mit dem Schwamm, kehren Sie nie trocken, und tragen Sie beim Schleifen eine FFP3-Maske.

Häufige Fragen


Was ist Keramik einfach erklärt?

Keramik bezeichnet Gegenstände aus Ton, die geformt und anschließend gebrannt wurden, und im weiteren Sinn auch das Material und die Technik. Der Brand verwandelt den Ton dauerhaft: Ein gebranntes Stück wird nie wieder zu Schlamm. Das Wort kommt vom griechischen keramos, so hießen Ton und gebrannte Tonwaren. Zur Keramik gehören Terrakotta, Steingut, Steinzeug, Porzellan und die technische Keramik.

Ist Keramik wasserdicht?

Das hängt von der Masse ab. Terrakotta und Steingut haben eine offene Porosität und nehmen ohne intakte Glasur Wasser auf; Geschirr aus Steingut wird deshalb immer glasiert. Steinzeug und Porzellan sintern bei hoher Temperatur dicht und sind dann durch und durch wasserdicht. Für Tassen und Teller muss die Glasur zusätzlich lebensmittelecht sein und ihre volle Brenntemperatur erreicht haben.

Was ist der Unterschied zwischen Keramik und Porzellan?

Keramik ist der Oberbegriff, Porzellan eine ihrer Arten, so wie Steingut und Steinzeug. Porzellan besteht vor allem aus Kaolin, Feldspat und Quarz und brennt je nach Masse bei 1200 bis 1400 °C. Dabei erhält es eine hohe Dichte, wird weiß und in dünner Wand durchscheinend. Steingut dagegen brennt deutlich niedriger, etwa bei 1000 bis 1100 °C, und bleibt saugfähig.

Was ist die älteste Keramik der Welt?

Zu den ältesten Gegenständen aus gebranntem Ton gehören Figuren aus dem Gravettien, etwa die Venus von Dolní Věstonice aus Mähren, rund 25.000 bis 29.000 Jahre alt. Die ältesten Tongefäße stammen aus der Höhle Xianrendong in China und wurden 2012 auf rund 20.000 Jahre vor heute datiert. In Mitteleuropa beginnt die Keramik mit der Linearbandkeramik im 6. Jahrtausend v. Chr.

Ist Keramik ein Naturmaterial?

Ihr Rohstoff ist es: Ton entsteht durch die langsame Verwitterung anderer Gesteine. Die Keramik selbst ist ein hergestellter Werkstoff, denn erst der Brand macht sie zu dem, was sie ist. Glasuren bringen zusätzlich Mineralien und Metalloxide mit, von denen einige giftig sind. Natürlichen Ursprungs also, aber vom Menschen verwandelt.

Quellen

Die Ceramispot-Redaktion

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